Was habt Ihr da für einen Brauch

Und so soll es geschehen, wenn eure Söhne zu Euch sprechen: Was soll Euch dieser Brauch? So sprechet: ...

Exodus 12.26-27

 

Von der Geburt bis zum Grabe an allen Wendepunkten des jüdischen Lebens werden Riten gefeiert. Beschneidung, Bar Mizwa (Sohn der Pflicht – 13. Geburtstagsfeier der Gebotspflichtigkeit eines Jungen) - Bat Mizwa (Tochter der Pflicht – 12. Geburtstagsfeier der Gebotspflichtkeit eines Mädchen), Eheschliessungen und Beerdigungen sind Lebensstationen an denen in besondere Weise das Bekenntnis zu dem einen G´tt und seinem Bund mit dem auserwähltem Volk lebendigen Ausdruck findet. Aber nicht nur an den wichtigen Übergangsstationen des Lebens, sondern im Verlauf jeder Woche, im Ablauf jedem Jahres wird die besondere Zugehörigkeit zu dem einen G´tt im jüdischen Volk neu vergegenwärtigt.

Wer jüdische Riten und Feste, Gegenstände des religiösen Gebrauchs kennen lernt, kennt noch nicht das Judentum in all seiner Vielschichtigkeit. Wohl nirgends anders als im kultischen Brauchtum haben sich Glaube und Selbstverständlichkeit der Juden sprechender niedergeschlagen.

Die Geschichte der Erwählung und Beauftragung eines Volkes durch den einen G´tt - wieder und wieder wird sie erinnert in vielfältigen Symbolen, Riten und Festen, weitergegeben von Generation zu Generation, bildet Kern und Mitte dessen, was Judentum heißt.

Die Begegnung mit jüdischen Kultgegenständen und deren Verwendungszusammenhang ist geeignet zum Wesen der jüdischen Religion vorzustoßen, sie zu verstehen als eine Religion des Bekenntnisses zu dem einen Gott.

Das "Kultur- und Kunstmuseum" schlägt eine Brücke zwischen Kunst und Religion. Das Domizil ist im Walldürner Ortsteil Rippberg in der Amorbacher Strasse 30 untergebracht. Es soll den Dialog zwischen Juden und Nichtjuden fördern. Zuvor waren die Objekte im Bürgerhaus in Hornbach ausgestellt und wurden dort binnen 3 Jahren von über 3500 Menschen besucht. Die heutigen Räumlichkeiten mit über 200 m² wurden von einem Sponsor kostenfrei zur Verfügung gestellt. Realisiert werden konnte dieses Projekt nur  durch die großzügige Unterstützung der Stadt Walldürn, deren Bürgermeister, des Gemeinderates, den Banken und der hiesigen Industrie.

Im Museum ist auch eine Anzahl von Werken verschiedener Künstler, u. a. von Ramona Müller - Hamleh, Maria Kreuzer, Jacky Bandow, Rolf Hamleh, Bernd Scheubert, Fernand Semma, Jossie Stern, Gunther Schmidt, Elsa - Bertha Fischer - Ginsburg, Heinrich Fischer, Sina Hofmann – Ginsburg, Lutz Herfel sowie Daniel Mahr selbst

Herzstück des Museums ist aber die wohl sortierte Ausstellung von jüdischen Kult- und Gebrauchsgegenständen (Tora, Talit, Tefillin, Menora uvm.). Vor allem die Führungen von Daniel Mahr machen den Raum zu einem Fenster ins jüdische Leben.

Genaue und fundierte Erzählungen wechseln ab mit unterhaltsamen Anekdoten, wenn Daniel  Mahr die einzelnen Exponate liebevoll vorführt. Lebendig wird eine in Europa ausgelöschte Kultur, aber nicht als Kultur der Opfer, sondern voll Farbe und Gemeinschaftsgefühl. Interesse wird geweckt, sich mit Hintergründen und einem alltäglichen Leben zu beschäftigen, das den meisten von uns ferner liegt als viele andere, geographisch entlegener Kulturen